unterwegs

Dienstag, 25. August 2015

...

Goci bringt das Ferkel innerhalb von 30 Minuten vom Stall auf den Spieß. Kurzes Festhalten, ein Schnitt, kurz bluten lassen, warmes Wasser, um die Borsten zu lösen, Hoden abtrennen, Zwerchfell unters Mikroskop, Eingeweide raus, abspülen, Spieß durch Maul & Po, Beinchen & Bauch zusammenbinden, salzen, voilà. Ein Messer, keine Handschuhe, mit Kippe im Mundwinkel, geht zwischendrin auch mal ans Handy.

Dienstag, 23. Dezember 2014

exil fondateur

was ich erst jetzt als solches begreife, lebt sich seit einer weile zusammen: exil fondateur.

das bedeutet sparsamkeit was nostalgie anbelangt, wobei diese ausdrücklich erlaubt ist, um kontraste besser zu spüren. es geht um das erfassen und zulassen von gegenteilen, umgeleitet werden beim versuch, in der gewohnheit zu bleiben. verbiete ich mir den gedanken ans davor, merke ich nichts! besonders weil ja klar ist, dass all das gute nur dann für immer ist, wenn ich die haltung dazu beibehalte. konkret bedeutet das, über weite strecken auf schlaf, otium und einsamkeit zu verzichten, was ich hier unten (calabrien, provinz um vibo valentia: repos de l'exil fondateur) nachzuholen gedenke, die woche muss reichen.

stellte sich irgendwann mal die frage, ob man denn nicht allein sein könne oder ständig die rastlosigkeit bräuchte so stellt sich nun heraus, dass es wieder einmal der kontrast ist, der der sich wenig einstellenden einsamkeit ihren hohen wert verleiht - bzw verdeutlicht, dass man damit so vorsichtig umgehen sollte wie mit addiktiven substanzen. man kann das auch ihrem gegenteil vorwerfen, wobei ich immer noch überzeugt bin, dass einsam sein der leichtere weg ist. zwar bewundere ich konsequentes nach außen abtöten und erkenne die hartnäckigkeit an, die dahintersteckt, aber ich halte doch die tagtäglich neue herausforderung, andere auszuhalten und sich gegen umweltgifte angemessen zu wehren, noch höher.

aushalten: freiwillige entscheidung, einer sache nicht gewachsen zu sein.

Freitag, 29. August 2014

WENN ICH JETZT, GENAU JETZT TEIL DEINER TRÄUME BIN, DANN IST ALLES IN ORDNUNG.

Ich denke das auf dem Rücksitz von Antonios Scooter, der mich erst hoch zu P.zale Michelangelo bringt und dann wieder runter.
Ich gehe, weil ich nicht im Haus bleiben will. Ich gehe und gehe und lande, als wär's ein Pseudo-Schicksal, auf Piazza Santa Spirito. Die Joints wedeln mir entgegen, alles atmet den römischen P.za Trilussa, nur das Getrommel fehlt. Nicht zu den langweiligen Studis gehen, nein, setz dich gleich zu den offensichtlich fertigen Alkies, viel älter aussehende Frauen von höchstens 40 und ein Herr von knapp 60 im Anzug, Brillengläser, die seine Augen unendlich vergrößern, ich lerne sie alle kennen : Antonio, Nadia, Zahnloser Mann der sofort ein Lied aus meinem Namen singt, Francesca, Daphne. Daphne ist unter 30 und hat ca. 18 Piercings im Gesicht, dont nur 7 oder so in den Ohren, türkisfarbenes Haar. Der Rest sind mittvierziger Frauen, auf Karton sitzend, viele Tattoos, fertig aber lieb aussehnd, gröhlig. Meinen Namen sagen sie ständig, singen aber glücklicherweise nicht. Antonio weiß schon, dass ich oltre alla biretta auch gern einen mitrauchen würde, also gehen wir sofort zu Piazza Caremia (oder so). Dort geschiehts, quanto sei bella, i tuoi occhi, dai, fumiamoci un'altra canna, prendiamoci un altra birra (er zahlte mir gerad erst ein Peroni), dai.. ti porto a casa in scooter, ti posso dare un passaggio, io ti voglio essere tanto amico. Io ti voglio essere tanto amico. Er will mich küssen, so lehnt er sich vor.
Gehen wir, finde ich, und wir gehen, leeren die Flaschen vorm Müllcontainer. Er will zurück, mich mit dem Scooter mitnehmen, wir gehen zurück. Ich wüsste vage, wie ich in 30 Minuten zu Fuß zu Hause wäre, aber ich gehe mit zurück. Wie, du warst noch nie am Pi.zle Michelangelo ? Ich will auf einmal hin, wie wir so zurückgehen, wenn ich mich schon zurückfahren ließe, kann ich auch noch was mehr rausholen. Tanto, il rischio c'è già : der war beim mindestens 3. oder 4. Bier und einer Tüte...
Wir fahren, und ich liebe es. Anders als bei Nicola heut Nachmittag nach der Arbeit, der mich in Fiesole an den etruskischen Mauern entlangfuhr und mich glatt und drängend küsste, während ich mehere Mosquitos im Arm hatte (sie stachen, ich kriegte sie beide), fühle ich es sausen und will vor lauter Intensität des Windes und des Draufseins nur noch die Augen schließen. Was ich schon länger nicht mehr dachte : Wenn es jetzt vorbei ist, dann war es in Ordnung. Und dann sind wir auf P.zle Michelangelo, ich sehe Florenz unter mir, pinkle zwischen 2 Laster. Ponte Vecchio. Duomo. Palazzo Signorile. Die andere Riesenkirche (wie auch immer, ich frage 2mal nach dem Namen und weiß auch nicht). Er will meine Hand halten und traut sich zum Glück nicht, mich zu küssen. Er ist locker 50, eher schon fast 60, Krankenhauskoch, wohnt in Florenz bei seinen Eltern, whaaaat ?? Das wusste ich schon, bevor ich aufgestiegen war.

Ich fühle mich fast schal, als ich zum Aufbruch dränge. Ich muss morgen arbeiten. Es ist bald 12. Als wir aufsteigen und er missglückt meine Hand wieder fallen lassen muss, wir sind anbei chiastisch versternzeichnet : Ich Steinbock Aszendent Waage, er Waage Aszendent Steinbock. Wann passiert das schon ! Er fährt mich runter, bergab geht es noch schneller, ich sehe 80 auf dem Tacho. Wir hatten noch ein Bier geteilt und ich musste die 2. Tüte ablehnen. Ich halte mich fest an Antonio : Stringiti forte !! Wir rauschen durchs glitzernde und laute Florenz, ich bin zuversichtlich. Auf dem Hinweg noch sehe ich uns umkippen in der Kurve einen Meter vom Bus entfernt, jetzt halt ich mich fest und will schreien vor Glück. Wenn das sein Traum war, mit einer bellissima ragazza con gli occhi bellissimi unter die Räder zu geraten und ich so Fleischwerdung dieses Traumes geworden wäre, so wäre es in Ordnung. Ich bin völlig damit einverstanden.

Mittwoch, 7. August 2013

tapez tapez

in getriebenheit oszillierend zwischen todmuedigkeit und unermuedlichkeit hole ich nach einer zeit in sevilla nach landung in paris kurz luft: paris plages, eine neue erfindung, die die leute auf transats an den ufern sortiert und ihnen das gefuehl gibt, dass auch naherholung in der verpesteten atmosphaere moeglich ist. aus der absoluten singlewohnung im 11. arrondissement ist meine neue vertrauensbasis der hauptstadt entwachsen.
am naechsten morgen klingelt der wecker um viertel vor 4 und es geht mit umstaendlichen nachtbussen, in denen und vor denen die toeuf der noch nicht geendeten nacht fortgesetzt wird, zur porte maillot und den bus nach beauvais zum dritten mal diese woche, 16 euro die man gerne behalten haette aber man fuegt sich der ueberorganisation der ryanairflughaefen, um die sich eine ganze kleinunternehmerei gebildet hat, und wenn ich auch nicht einschlafe und eher friere unter der brutal angeschalteten klimaanlage bin ich froh, nach erholsamen aber zu wenigen 4 stunden schlaf nicht nachdenken zu muessen. alles ist darauf angelegt, reibungslos abzulaufen, und ich lasse mich durchschleusen, dass ich gar nicht mehr mitkriege, wie versucht wird, scratchlotery unter die leute zu bringen.
in bergamo gelandet fahre ich hinauf in diesen faustschlag an fast unertraeglicher mittelalterlichen malerischen miniatur, auf einen berg gekroent und selbstgenuegsam sich nach unten ausbreitend. werde ein paar minuten durch die stadt gefuehrt, hoere bei einer pause in einem der kloester (gleichzeitig priesterseminar) lautest nightwish ueber den hof schallen. die lange reise, die noch vor mir liegt, namentlich in weniger als 24 stunden unten in der stiefelspitze sein zu wollen, nimmt mir die ruhe fuer ausfuehrliche betrachtungen.
es geht also durch wieder fast nicht glaubwuerdige landschaftliche szenerien nach mailand mit einem bummelzug, dann mit einer frecciarossa nach rom. hier sehen meine fuesse fuer ein paar stunden tageslicht und sind wie die nacktschnecken, die man aus marmorbaenkenritzen kriechend nachts in sevilla beobachten konnte: ein bisschen eklig, aber gluecklich ueber die zumutbaren temperaturen, etwas langsamer als sonst sich raekelnd.
in rom ist freie bewegung moeglich, irgendwie erleichtert in vertrautheit angelangt zu sein und nur noch einen zug vor sich zu haben, wenn auch den schlimmsten, geht es fuer einen aperitiv in alte lieblingsviertel wo auch nach kaum 2 minuten verweilen sich neue zweifelhafte bekanntschaften anschliessen...
mein antiker nachtzug geht von roma tiburtina. ich bin eine stunde frueher dort um mich mit kaffee ein bisschen auszuruesten vor der 7stuendigen nachtfahrt und komme erst mal nicht aus dem bahnhofsgebaeude, bis mich ein sicherheitsmann, der erst nur aus der ferne immer wieder ruft: signora, è chiuso di là und damit gar nicht hilft, mich hinausbegleitet. draussen ist dann literary nichts mehr ausser dunkelheit und gestalten, die sie suchen, ich finde irgendwo eine bar, nehme einen caffè freddo und bin froh um ein bisschen licht. heimeliger wird es, als ich doch noch einen amaro del capo eingeladen werde.
waehrend ich mich also auf meinem sitz halbwegs ausstrecke, die klimaanlage foehnt wie sie nur kann und wir natuerlich zu fuenft im abteil sind, frage ich mich, warum ich mir diese strecke immer so antue - da werden raucherabteile fuer schlaflose geschaffen, kleine babys mit ihren muettern liegen zusammengekauert zwischen polizeibeamten und deren gegenteilen, toiletten sind bereits beim zusteigen in rom voellig unzumutbar und schlaf ist sowieso nicht prima, da alle 2 stunden angehalten wird und neue sonnenverbrannte gesichter (je suedlicher wir halten kommen) zusteigen, einem ins abteil schauen und ab salerno auch den sechsten platz noch besetzen. meine ohren sind draussen und hoeren das schleifen der raeder ueber den schienen und das stolpern "tu te tapes encore ça tu te tapes tu te tapes" droehnt es durch die sitze in den schaedel.

die naechste siesta findet nach gelungener ankunft am folgenden abend in mandaradoni statt.

Mittwoch, 13. März 2013

Magenverstimmung

schon lange war ich nicht mehr krank auf reisen, und irgendeinen informationellen overflow habe ich nicht verdaut. also: beifahrersitzenderweise aus miami richtung keys sehe ich so blass aus, dass man beschliesst, umzukehren und waehrend dies noch geschieht und wir uns wieder der bruecke richtung miami beach naehern dreht sich das fruehstuckssandwich so schnell im magen um, dass der griff nach der plastiktuete irgendwo auf der rueckbank schnell zum jutesack im fussraum umgeleitet wird und BLLLLAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHH laeufts schon durch die jute auf den schoenen mietautositz - ich halte es fuer klug, den beutel aus dem fenster zu halten, um weitere ueberschwemmung zu vermeiden und soll mich spaeter um so mehr ueber die vom fahrtwind angetrockneten stueckchen an der autoflanke freuen (bzw mein begleiter, der sich, mich schuettelfrostend im motel st. barbara (was ich an dieser stelle sehr empfehlen kann) wissend, die eingeweichten klamotten im waschbecken, um alles kuemmerte) ---- als ich am naechsten morgen schon wieder melone vertrage, wird der trip wieder aufgenommen ---
es kommt noch schoener, als ich 5 tage spaeter aus immer noch unerfindlichen gruenden eine margaritaville-margarita in der hand halte, auf die sich drehende universal-kugel schaue und es neben mir auf einmal BLLLLLLLAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH-tschte: der begleiter nun seinerseits verstimmt, nicht mal alkoholisiert (von 2-5 p.m. happy hour sozusagen vor den pforten disneylands anzubieten passt wieder sehr gut in die hypokrisie dieser seltsamen kunststoffwelt), verliert ca. 3 liter wasser auf einen schlag. die kanadische touristin am nachbartisch (die schon sauer war, franzoesisch zu hoeren) schaut erst ueberrascht hin, dann angeekelt weg. wir informieren und kellner und on se casse - wie, downtown? downtown orlando? there's nothing you can do there!

Donnerstag, 28. Februar 2013

te lo sei meritato

4 Wochen außer Konkurrenz und Kontext -

Samstag, 11. August 2012

Ohne Haus seit [x] Monaten

Solange ich es mir noch erlauben kann, vagabondiere ich durch südeuropäische Sofaecken und Zelte. derzeit hat sich sogar eine Schlafzimmertür im kaum isolierten Dachgeschoss nahe des cap d'Agde geöffnet. wir sind zu 12t und glücklicherweise ist das alles nicht meine Horde, ja, ich kann einige Stunden im Meer rumbringen denn so weit schwimmen auch die FKK-Touristen nicht raus --- sonst hab ich es hier mit einer besonderen Häufung des geistigen Übergewichts zu tun.
Da ist einer, Namen alle geändert, jérôme, der geniesst dat Leben, jeden Morgen zapft er sich sein Käffchen aus dem Padautomaten (meiner ist ihm zu dünn) und pflanzt sich mit seiner Selbstgedrehten und bedeckt alles mit einer Schicht klebrigen, unaufdringlichen Wollens. niemand soll überstimmt werden, ich bin von der teuer aber gut und wenig fraktion, das leben gefällt mir, ich schlag es mal so vor, aber wichtig ist doch nur, was du willst, mein schatz. Seine Begleiterin will ihn für jeden Augenblick des Genusses feuern, denn sie ist Physiologin und setzt immer nur beim nächsten an, wenn es darum geht, ihren frustrationspegel zu bewältigen.
ensuite, das junge paar, tabea und celio, mit ihren 2 kleinen - ach ja, in frankreich ist verhauen noch nicht verboten, so kriegen die kleinen neben zu viel aufmerksamkeit bei jedem nicht stillsitzen schön den hintern geklopft - nein, kinder mag ich nicht, aber eigentlich: mag ich ihre eltern nicht.
die cousinen, margot und marianne, zelten im garten und haben zu allem nicht viel zu sagen. marianne hat vöglechen auf ihre pobäckchen stechen lassen und auch sie kriegt eher scherzhaft von andern kommunarden einen "hintendrauf"
würde das herz nicht bald nach amerika fahren, ...

jedenfalls war es [...], korsika einmal zu umrunden, in all seiner touristischen einsamkeit und viel zu offenbaren schönheit - île de beauté - wobei sich auch dort unzufriedenheiten erkennen lassen: die insulaner wärn gern unabhängig, sonu corsu, sonu fieru, aber wo würden die dann ihr benzin hernehmen? wir lernten kennen, besonders, den weinbauern st. christophe bei ajaccio, scchon seit 30 jahren wahlkorse und durchaus gewillt - beide erlagen wir seinem charme - auch uns offensichtlich mittellosen noch das letzte aus den taschen zu holen damit sich von nun an jeder parkmoment ohne schatten (denn woher soll man ihn nehmen, in diesen sonnigen monaten) diffizil erwies, den guten wein nicht verkommen lassen ;
die letzte nacht in bastia vom sandwälzenden traktor auf und verscheucht, wer arbeitet im süden um diese zeit und so gründlich - sand aus den ohren holen dann am nächsten tag, noch verdreckter, auf dem rückweg durch cannes und aix, rettender sprung in den pool leider durch algenbefall vereitelt, all das und viel mehr noch zu hören in erzählungen bei rückkunft [...]

und noch sicherer freut sich das eigne herz, endlich wieder die küste entlang mit dem nachtzug nach sizilien zu fahren ende dieser woche, wieder stück für stück nach rom zu steigen ende des monats, weiter zu ziehen gen osten und belgrad, zagreb, rieka pula ... in weit weniger comfort, sicher, auch hier wieder froh, es noch auszuhalten mit vielen, als einzige flucht in die einsamkeit das reisejournal oder hinter die bojen - ich renne gegen sie an, die verschrobenheit, unerträglich zu werden, nach jedem redundanten gespräch mich erschiessen zu wollen - ich habe sie dabei, bulgakov, maïakovski, de l'isle-adam, diese anker und andersmacher zwischen sonnencreme und strandkleidchen, und keine angst mehr, sie zu benutzen

bis bald

Mittwoch, 22. September 2010

Wo Wohnen?

Was wäre meine Zeit in Frankreich nur ohne Unordnung.
so kam es, dass man mir ein neues Zimmer in einer noch nicht fertiggestellten Künstlerresidenz im Stadtzentrum zusicherte. Ja, das gilt immer noch. Nur sind die Bauarbeiten noch nicht so weit... Zwar steht in jedem Stadtblättchen was von sich öffnenden Toren, aber geht man dort vorbei, so probieren die Bauarbeiter gerade die Klingeln aus.
Also wohne ich aus meinen Koffern da und dort. Gestern noch im arabischen Viertel beim Freund und ab heute in der PAPPSTADT. Ein im Art Déco Stil gehaltenes Stadtplanungsprojekt der 80er/90er Jahre, was nie so ganz gelungen ist, aber, hinter dem im Stadtzentrum befindlichen Einkaufszentrum POLYGONE, trotzdem, schwungvoll ANTIGONE getauft, als etwas überteuerte Afterwork-Meile fungiert. Aus dem 6ten Stockwerk besehe ich die Verwaisung dort unten und den lila Himmel

übrigens, heute sieht man JUPITER

--- und hüte gerne für die ausgeflogene Freundin 10 Tage ihre 4-Zimmerwohnung. Eine nette Abwechslung zum sonst hier sehr beliebten wohngemeinschaftlichen Gammelcharme oder dem pragmatischen 1-Raumtraum der französischen Jungs.
Mittwoch morgens Bauernmarkt, sonst wie gesagt übertriebene (übrigens Sozial-) Wohnbauten, Restaurants, Ärzte, Coiffeure und ein Käsemann. Unter dem Fensterbrett 3 Holzkatzen,

was auch ganz angenehm mit dem Beginn dieses Abends kontrastiert: Da war ich nämlich zu Besuch bei der ü50-Ausgabe des Gammelcharmestudenten, Bücher gucken. Der braucht keine Tapete, so viele hat er. Und drei Katzen, echte, die sich ganz wunderbar ins intellektuelle Durcheinander einfügen konnten. Über die Rotweinströme muss ich also nicht berichten, noch weniger über den sehr dürftig auf französisch vorgetragenen Celan. Aber, und ich hatte fast schon wieder vergessen, dass es sie gibt: Mal wieder ein richtig schöner Gedichtevorlese-Musikhör-Abend in der passensden Umgebung, die ich hier in einem Jahr finden konnte.

Wie auch immer, Pappstadt. Damit der Abstand zwischen den sich gegenüberliegenden Häusern nicht zu erdrückend weit vorkommt, sind großzügig säumende Kiefern und Zypressen gepflanzt worden, denen ich von hier locker auf die Krone spucke. Das Ganze ist halb Afrika, halb Orient-romantisch gehalten und gewinnt was Pseudogroßstädtisches durch sein pompöses und vollständiges Kücheninventar. Naja, sie hat eine gute Ausrede, hier zu wohnen. Und ich zum Glück gerade auch.

Donnerstag, 26. August 2010

Reiseroute

Roma-Vibo Marina-Zambrone-Mandaradoni-Parghelia-Formiculi-Catanzaro-Villa S. Giovanni-Catania-Pantalica-Buccheri-Taormina-Pachino-Marzamemi-Noto-Catania-Roma

Einseitig suedlich, aber endlich richtig. Auch braun und neue Freunde.
Schlafe fuer ein paar Tage beim Vater des guten Freundes und bekomme prompt das Zimmer im Obergeschoss, also ein altes Haeuschen im Hinterland, mit Blick aufs calabresische Meer. Verzieh die durchhaengende Matratze.
Man besucht ein Mittelalterfestival (naja, soooo mittelalterlich war es nicht, eher eine Ausrede fuer Strassenkuenstler und lokale Gruppen, mal wieder richtig in die Vollen zu gehen...), und ich lernte jemanden kennen, der gross auf seine Fahnen schreibt, dass er vor allem an die Oberflaechlichkeit glaube. Man ass lecker Pferdebratwurst mit Pipi (Paprika im Dialekt) und Zwiebeln.
Eine Nachtfahrt von Catania nach Rom ohne Sitzplatz. Ich war nicht die einzige darunter leidende Person; am Ende des letzten Wagons versammelte sich ein Grueppchen sehr erregter Italienier, die voellig aufgeladen waren voller Hass gegen die Staatlichen Stahlwege und, weil ihr culo nicht bequem sass, am liebsten ganz Italien verklagt haetten. Auch hier wird politische Denke in erster Linie mit dem -Verzeihung- Arsch betrieben.

Letzter Tag: Schneide meinen Pfirsich in den Rotwein und freue mich auf einen kurzen Zwischenstop in deutschen Landen, um wieder in den Sueden (Frankreichs) zurueckzukehren.
Wohne gerade bei einer sehr strengen Freundin, deren Perfektionismus und Stressanfaelligkeit eine wohl dauerhafte Glutinintolleranzia hervorgerufen hat. Da sie Kuchen aber so mag, auch den Geruch, backt sie jeden Tag einen fuer mich.

Dieser letzte soll einer mit nostalgischen Dosenpfirsichen werden. Los jetzt.

Montag, 17. August 2009

Madonna

Gestern Abend war "la festa della Madonna", und aus diesem Anlass gab es erst eine Prozession dieHafenpromenade entlang mit einer schoenen Plastikmaria, das Jesuskindchen im Arm. Dann 2 Messen, eine auf der Hafenbuehne, wo vorgestern noch ein schreckliches Theaterstueck im DIalekt gegeben wurde, eine andere in der Kirche. Waren die Messen fertig, kamen alle mit ihren Kerzen und liessen sie auf Booten zu Wasser. Wir warteten derweil auf den Felsen der Mole, weil die ganze Promenade voller kaufrauschender (es gab Heliumballons und guenstige Rucksaecke an den Staenden) Glaeubigen war. Dann geht es endlich los, die MAdonna wird von der Buehne in ihr grosses Boot getragen, das schon mit einer LIchterkette "Ave Maria" geschmueckt ist. Sie beginnt mit ihrer Wasserprozession: 3 Runden durch den verhaeltnismaessig grossen Hafen, um den Fischern ihren Segen zu bringen. Eine Runde dauert ungefaehr 20 MInuten, damit alle moeglichst oft das scheppernde Ave Maria aus den Bootslautsprechern hoeren koennen, hinterher etwa ein Duzend Schiffe, die permanent hupten. Mit dem Plastiklied zu Ehren der Madonna klang es sehr modern (mikrotonal). Alle 3 Minuten stiess eine einzelne Rakete in den Himmel. Als die Madonna bei der Haelfte der letzten Runde angelangt ist, geht das Feuerwerk los. und ,als die Runde ganz geschafft und die Madonna an Land gebracht wird, noch eines und dann, als der Corso schon halb geleert war, noch eins.
Diese Gemeinden hier unten im Sueden beklagen sich regelmaessig ueber Geldmangel, aber fuer 3 Feuerwerke ist immer Kohle da. Als wir an Ferragosto (Tag davor) wieder am Strand durchmachten, sah man auch die ganze Kueste entlang immer wieder schoene bunte Kreise im Himmel.

Meine Plaene, ins Salento zu reisen und die anderen zu treffen, sind leider gestorben. Dafuer riese ich heute nach Tropea und morgen bin ich fuer ein paar Tage in Salerno eingeladen, dann gehts zurueck nach Rom. Heute ist die launische Mutter ausnahmsweise mal ans Meer gegangen, bevor wir alle aufgestanden sind.

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Sollte sich hier ein fragwürdiger Link befinden, so bitte ich den rechtskundigen Überprüfer anzuerkennen, dass ich auf keines der verwiesenen Erzeugnisse irgendeinen nennenswerten Einfluss habe.

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